Immer mehr Menschen achten bewusst darauf, wie sie ihren Alltag klimafreundlicher gestalten können – und Mobilität spielt dabei eine Schlüsselrolle. Auch als Bauunternehmer, Landwirt oder Logistikunternehmer benötigen Sie Diesel für den reibungslosen Betrieb Ihrer Maschinen und damit Ihres Unternehmens. Gesetzliche Vorgaben zur CO₂-Einsparung verpflichten Unternehmen allerdings zur Reduktion ihrer Emissionen.
Eine mögliche Lösung: der regenerative Dieselkraftstoff HVO 100. Die Abkürzung steht für Hydrotreated Vegetable Oil, da diese Diesel-Alternative aus 100% erneuerbaren Rohstoffen gefertigt wird. Schon in den ersten Produktionsschritten wird deutlich, warum die Herstellung von HVO als besonders effiziente und zukunftsfähige Möglichkeit gilt, um erneuerbare Kraftstoffe in den Markt zu bringen. Darum sehen viele Expertinnen und Experten HVO100 als wichtigen Baustein in einer klimafreundlichen Mobilität. Mehr zur Herstellung und den gesetzlichen Vorgaben erfahren Sie in diesem Beitrag.
Von Fetten, Ölen & Reststoffen zur hochwertigen Diesel Alternative
Für die HVO-Kraftstoff-Herstellung werden nur Rohstoffe genutzt, die sich in einem hydrierbasierten Prozess zu Kohlenwasserstoffen umwandeln lassen. Dazu gehören:
- Abfallfette und gebrauchte Öle (UCO – Used Cooking Oil, Tierfette)
- Industrielle Reststoffe (z. B. Tallöl aus der Zellstoffindustrie)
- Biogene Nebenerzeugnisse aus Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung
Diese Ausgangsstoffe sind chemisch verwertbar, enthalten Energie und können – im Gegensatz zu fossilem Diesel – nachwachsen oder aus Kreisläufen stammen. Viele Produzenten setzen bewusst auf Abfallströme, um Emissionen weiter zu reduzieren und die CO₂-Bilanz zu verbessern.
Gleichzeitig beeinflusst die Wahl der Rohstoffe, wie das fertige Produkt in puncto Eigenschaften abschneidet. Denn Kältebeständigkeit, Schmierfähigkeit, Dichte und Verbrennungsverhalten ergeben sich aus der molekularen Zusammensetzung der Ausgangsmaterialien.
So läuft die HVO100 Herstellung in der industriellen Praxis ab
HVO wird nicht „gebraut“, sondern in hochmodernen Raffinerieprozessen produziert, die auf Effizienz und Qualität ausgelegt sind. Industrielle Hersteller kombinieren dafür mehrere Schritte zu einem kontinuierlichen Produktionsprozess:
- Rohstoff-Pre-Treatment: Reinigung, Filtration und Entsalzung der Öle und Fette
- Hydrotreating (Hydroprocessing): Umwandlung zu gesättigten Kohlenwasserstoffen
- Isomerisierung: Optimierung der Kälte- und Verbrennungseigenschaften
- Fraktionierung & Destillation: Je nach Raffinerie: Auftrennung in Diesel, Naphtha, Flugkraftstoffe (z.B Sustainable Aviation Fuel)
- Qualitäts- und Emissionsprüfung: Kontrolle auf Normwerte, Emissionen, Lagerfähigkeit
“Hydrotreating”: Ein Kernpunkt der HVO Diesel Herstellung
Nach der Sammlung und Vorbereitung geeigneter Rohstoffe beginnt der wichtigste Schritt in der Herstellung von HVO. Das sogenannte “Hydrotreating” ist ein Prozess, der auch aus Raffinerien bekannt ist. Mithilfe dieser Methode werden die biogenen Rohstoffe mit Wasserstoff unter enormem Druck und hoher Temperatur behandelt. Ziel ist es, Sauerstoff und andere unerwünschte Bestandteile aus den Molekülketten zu entfernen. Dies geschieht in mehreren Reaktionen – Deoxygenierung, Hydrierung und ggf. Cracking.
Das Ergebnis: Reine und langkettige Paraffine, die fossilem Diesel chemisch sehr ähnlich sind, aber vollständig aus erneuerbaren Rohstoffen stammen.
Wichtig zu wissen:
- Der Prozess benötigt katalytische Reaktoren (z. B. Nickel-, Molybdän- oder Edelmetall-Katalysatoren).
- Temperatur: meist 300–450 °C.
- Druck: bis zu 150 bar.
Durch die präzise Steuerung dieser Parameter verändern Hersteller aktiv die Qualität des finalen Renewable Diesels.
Isomerisierung: Schlüssel zur Winterqualität
Im zweiten Prozessschritt – der Isomerisierung – werden die zuvor geradkettigen Moleküle „verzweigt“. Diese molekulare Neustrukturierung sorgt dafür, dass HVO im Winter nicht ausflockt. Die Herstellung der Diesel Alternative erreicht hier ihre besonderen Vorteile: sehr gute Kältebeständigkeit, hohe Cetanzahl und ausgezeichnetes Verbrennungsverhalten.
Dieser Prozess entscheidet maßgeblich darüber, ob HVO für den Ganzjahreseinsatz geeignet ist und ob er die anspruchsvollen europäischen Kraftstoffnormen erfüllt. Dazu gehört beispielsweise die DIN EN 15940 für paraffinische Dieselkraftstoffe.
Fraktionierung & Destillation: Saubere Trennung der HVO-Komponenten
Nach der Hydrierung und Isomerisierung durchläuft das Rohprodukt eine Fraktionierung und Destillation, um die verschiedenen Kohlenwasserstoff-Fraktionen sauber zu trennen. In diesem Schritt zerlegt die Raffinerie das entstandene Kohlenwasserstoffgemisch in definierte Produkte wie HVO-Dieselfraktionen, Naphtha oder auch Kerosinkomponenten für nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF). Die Destillation sorgt dafür, dass HVO als qualitätsgesicherter Kraftstoff mit exakt eingestellter Siedekurve bereitsteht.
Wie unterscheiden sich die Herstellungsverfahren für HVO?
Während das grundlegende Prinzip gleich bleibt, nutzen die einzelnen Produzenten unterschiedliche Verfahren und Reaktorarchitekturen, um ihre Produktqualität zu optimieren. Unterschiede zeigen sich insbesondere in:
- Rohstoffmix
- Art und Qualität des Wasserstoffs
- Ausmaß der Isomerisierung
- Art der Katalysatoren
- Prozessenergie
Diese Faktoren führen dazu, dass nicht jeder Renewable Diesel identisch ist.
Europäische Grundlage: RED II & RED III für erneuerbare Kraftstoffe
Die Nutzung von HVO100 in Deutschland basiert auf den Vorgaben der europäischen Renewable Energy Directive (RED II und RED III). Diese Richtlinien legen fest, wie viel erneuerbare Energie der Verkehrssektor EU-weit einsetzen muss. Gleichzeitig definieren sie die Nachhaltigkeitskriterien, die ein Kraftstoff erfüllen muss, um als ‘erneuerbar’ anerkannt zu werden. Dazu gehören unter anderem die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe, strenge Vorgaben für CO₂-Einsparungen entlang des gesamten Lebenszyklus sowie der Ausschluss von Rohstoffen aus ökologisch kritischen Gebieten.
Erst wenn ein HVO-Kraftstoff diese RED-Kriterien erfüllt und entsprechend zertifiziert ist, darf er in den EU-Mitgliedsstaaten als nachhaltiger erneuerbarer Kraftstoff genutzt und auf die nationalen Klimaziele angerechnet werden. Damit ist die RED-Directive der regulatorische Ausgangspunkt für nationale Vorgaben in Deutschland.
Technische Qualitätsvorgaben: DIN EN 15940
In Ergänzung dazu sorgt die davon unabhängige europäische Norm DIN EN 15940 dafür, dass der Kraftstoff technisch einwandfrei und motorverträglich ist. Sie regelt die chemische Zusammensetzung, physikalischen Eigenschaften und Reinheitsanforderungen von HVO. So wird sichergestellt, dass der Kraftstoff in modernen Pkw, Transportern und Nutzfahrzeugen stabil, sicher und leistungsfähig betrieben werden kann. Dazu gehören beispielsweise die Paraffinstruktur, der Siedebereich, die Viskosität, das Kältefließverhalten und die Cetanzahl.
Deutschland stellt um: Die wichtigsten Vorgaben rund um HVO100
Deutschland hat mehrere Regelungen eingeführt, die den Einsatz von HVO und anderen erneuerbaren Kraftstoffen in Teilen verpflichtend machen und den Markthochlauf gezielt fördern. Dadurch wird die Nutzung für Unternehmen, Landwirte und das Baugewerbe zugleich finanziell attraktiver gestaltet.
Zulassung & Qualität von HVO100
Seit April 2024 dürfen Tankstellen in Deutschland reinen HVO-Diesel (HVO100) anbieten. Grundlage ist die überarbeitete 10. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV), die die bisherigen Beschränkungen für Reinkraftstoffe aufgehoben hat und zuvor nur begrenzte Biodieselanteile erlaubte.
HVO100 unterliegt den europäischen Qualitätsstandards gemäß DIN EN 15940 und muss daher an Zapfsäulen als „XTL“ und ”Paraffinischer Diesel“ gekennzeichnet werden. Moderne Pkw, Transporter und Nutzfahrzeuge sind von vielen Herstellern offiziell für HVO100 freigegeben.
THG-Quote: Verpflichtende CO₂-Reduktion
Mineralölunternehmen müssen in Deutschland eine gesetzlich vorgegebene Treibhausgasminderung erreichen. HVO trägt dabei als nahezu CO₂-neutral angerechneter Kraftstoff zur Erfüllung dieser Quote bei. Unternehmen, die HVO einsetzen, verbessern damit unmittelbar ihre eigene THG-Bilanz im Flotten- und Lieferkettenbetrieb.
CO₂-Bepreisung & wirtschaftliche Vorteile
Nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) sind nachhaltig zertifizierte biogene Kraftstoffe – darunter HVO – weitestgehend von der nationalen CO₂-Steuer befreit. Für HVO fallen somit keine zusätzlichen CO₂-Zertifikatskosten an, wie sie bei fossilem Diesel anfallen würden. Dadurch soll der Einsatz dieses regenerativen Dieselkraftstoffs wirtschaftlich attraktiver gemacht werden.
Wer produziert HVO100? Die führenden Hersteller im Überblick
Der Markt wächst stark – insbesondere in Europa. Zu den wichtigsten Herstellern gehören unter anderem:
| Hersteller | Produktname | Kommentar |
|---|---|---|
| Neste (Finnland) | Neste MY Renewable Diesel™ | Weltweit größter Produzent von Renewable Diesel. Das Unternehmen nutzt den eigenen NEXBTL-Prozess und setzt stark auf Abfallfette, Tallöl und pflanzenölbasierte Nebenprodukte. |
| Shell | Shell Renewable Diesel | Shell baut europäische Kapazitäten massiv aus und produziert Renewable Diesel in mehreren Raffinerien, u. a. über die Hydroprocessing-Technologie. |
| TotalEnergies (Frankreich) | ELF HTX Renewable Fuel for Diesel | TotalEnergies betreibt Anlagen in Frankreich und entwickelt parallel e-Fuel-Prozesse, die langfristig kombiniert werden sollen. |
| Preem (Schweden) | Preem Redefine HVO100 | Fokus auf Abfallströme und raffinierte Verfahren mit sehr niedrigen CO₂-Werten; führend im skandinavischen Markt. |
| Eni (Italien) | HVOlution | Setzt auf die Ecofining™-Technologie (entwickelt gemeinsam mit Honeywell UOP) – hoher Einsatz von Reststoffen. |
HVO verstehen und Zukunft gestalten
Die Zukunft der erneuerbaren Kraftstoffe entwickelt sich rasant. Das Ziel? Weniger Abhängigkeit von fossilem Diesel und stärkere Reduktion globaler Emissionen – bei gleichzeitig hoher Verfügbarkeit für moderne Fahrzeuge und bestehende Tankinfrastruktur.
Die Herstellung und Nutzung von HVO stellt aktuell einen vielseitigen und technologisch spannenden Weg dar, erneuerbare Kraftstoffe in den Markt zu bringen. Wer den Prozess kennt, versteht den praktischen Nutzen von HVO100. Für viele Flotten, Unternehmen und Kommunen ist er bereits heute eine realistische CO₂-Reduktionslösung.
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